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Das ABC des Essens

„Das ABC des Essens“ wäre ein großartiger Titel für ein Schulfach, das alle Lebensmittelgruppen anspricht, die Vorzüge und Nachteile dieser Gruppen und wie man den individuellen Bedarf aus jeder Kategorie ermittelt.

Das scheint gar kein so schwieriges Konzept zu sein, doch sehen Sie irgendwo ein Fach, das diese Themen anspricht? Nein, und höchstwahrscheinlich werden Sie es auch zukünftig nicht sehen, da unsere Gesellschaft nicht das Gefühl hat, dass dies ein Thema wäre, das von unserem Bildungssystem angesprochen werden sollte.

Ich möchte Ihnen jedoch folgende Frage stellen: Hat es schon immer einen offensichtlichen Bedarf gegeben, sicheres Radfahren im Straßenverkehr zu lernen? Nein, davon war bis Mitte des 20. Jahrhunderts überhaupt noch nie die Rede gewesen. Doch sicheres Radfahren im Straßenverkehr hat heute einen Platz im Bildungssystem und wird jedes Jahr gelehrt. Der Bedarf, darin unterwiesen zu werden, ist relativ neu und gehört nicht zu den Lehrthemen der „alten Schule“, doch heute gehört dieser Lehrinhalt zum Angebot dazu weil sich ein Bedarf entwickelt hat.

Unterweisung über unser Essen ist ein Bedarf, der sich über die letzten 30 Jahre entwickelt und zwischenzeitlich epidemische Ausmaße angenommen hat. Werbung im Hinblick auf unsere Nahrungsmittelwahl ist von dem Bedarf gesteuert, Gewinn zu machen. Die Werbespots, die sich unsere Kinder ansehen, haben nichts mit ihren tatsächlichen Ernährungsbedürfnissen oder den Lebensmitteln, deren Verzehr wirklich gut für sie wäre, zu tun. An dieser Stelle sollte der Bildungsprozess die Kluft überbrücken. So wie unser Bildungssystem unseren Kindern beibringt, wie man rechnet, liest und schreibt, sollte es sie auch im Hinblick auf ihre Essensgewohnheiten unterweisen. Wir unterrichten unsere Kinder weil Wissen Macht ist. Es stattet sie mit der nötigen Kraft aus, um gute Entscheidungen zu treffen, sich Arbeitsplätze zu sichern, neue Produkte und Prozesse zu entwickeln und ihr Leben zu führen wie es ihren Vorstellungen entspricht. Sollten sie nicht auch ein grundlegendes Wissen darüber mit ins Leben nehmen, wie man die zur Verfügung stehenden Ernährungsressourcen nutzt?

Über die Grundlagen der Lebensmittelgruppen informiert zu sein und zu wissen, wie sie mit dem Körper arbeiten, wie der jeweilige Stoffwechsel- und Verdauungsprozess abläuft, wie der Körper Energie nutzt und speichert und wie all diese Prozesse optimal funktionieren ist genauso wichtig wie mathematische Lehrsätze zu verstehen. Zu bestimmen, an welcher Stelle im Bildungssystem sich ein solches Fach am besten eingliedern ließe, ist eine andere Sache. Mitglieder des Bildungssystems werden Ihnen wahrscheinlich erzählen, dass dies einfach nicht Sache des Schulsystems sein kann sondern eine Angelegenheit ist, die am besten zu Hause angesprochen werden sollte. Doch wie kann sie zu Hause angesprochen werden, wenn die Person zu Hause kein Wissen hat, das sie vermitteln könnte? Wir eignen uns mit der Geburt unserer Kinder leider nicht das notwendige Wissen für eine intelligente und sinnvolle Ernährung an.

Die grundlegenden Lebensmittelgruppen und welche Lebensmittel in jede Kategorie fallen ist ein Thema, das im besten Fall lediglich im Biologieunterricht einmal kurz gestreift wird. Doch was ist mit dem Verdauungsprozess dieser Lebensmittel, der Interaktion der einzelnen Lebensmittel, den Nährstoffen und unserem Energiebedarf? Die Differenzierung, welche Lebensmittel sowohl Energie als auch Nährstoffe und guten Geschmack bieten, ist ein erlerntes Wissen. Glauben Sie, Kinder würden sich weiterhin mit etwas wie einer Kindermilchschnitte voll stopfen, wenn wir deren Verzehr auf dieselbe Weise ansprechen wie Dreck?